Jherek Bischoff, US-amerikanischer Musiker, Komponist und Arrangeur, war am 3. Dezember 2016 in Köln und spielte in der im Herbst neu eröffneten „Außenspielstätte“ im Kleinen Haus der Bühnen Köln am Offenbachplatz.

In seiner Kindheit lebte er mit seinen Eltern auf einem Segelschiff und unternahm u.a. einen über zwei Jahre gehenden Segeltrip entlang der Küsten Zentralamerikas, durch den Panamakanal und in die Karibik. Eines seiner damaligen Erlebnisse inspirierte ihn zu einem Stück, das er in Köln aufführte. Eines Nachts saß er an Deck, als plötzlich der Wind komplett abflaute und eine absolute Stille über ihm hereinbrach. Die Meeresoberfläche war spiegelglatt, ohne jede Wellenbewegung. Die auf dem Meer sowieso schon kristallklar funkelnden Sterne spiegelten sich auf der Wasseroberfläche und fügten sich zu einem ihn umgebenden kugelförmigen Sternpanorama mit ihm im Mittelpunkt. Dieser kurze Moment der  Orientierungslosigkeit – wo ist oben, wo unten, wo links und wo rechts, egal, es ist überwältigend – prägte sich fest in seiner Erinnerung ein und inspirierte ihn zu einigen seiner sehr sphärisch klingenden Kompositionen.

Einen großen Eindruck bei ihm hinterließ auch der Besuch eines leeren, unterirdischen Wasserreservoirs mit einem Fassungsvermögen von ca. 9 Mio. Litern. Die etwa 45 Sekunden Nachhallzeit ließen ihn musikalisch experimentieren; ein in Köln präsentiertes Stück führte er darauf zurück – auch wenn die Akustik im Kleinen Haus ja nicht mit der einer großen Zisterne verglichen werden kann und man nur ansatzweise erahnen konnte, wie seine Musik dort klingt. Und dennoch erzeugen seine Stücke viele Bilder im Kopf.

Bei seinem Auftritt auf der durch viel rohen Beton und noch offen sichtbare Technikinstallationen geprägten Baustelle der Bühnen Köln wurde er von einem Streichquartett begleitet, dass sich aus Kölner Musikern zusammensetzte. Er und die vier Streicher haben sich wohl am Tag des Konzertes zum ersten Mal überhaupt gesehen. Ich war bis zu dieser Anmerkung von ihm aufgrund des perfekten Zusammenspiels fest davon ausgegangen, dass die fünf schon lange zusammen spielen.

Das kurzweilige (zu kurze) Konzert des mir bisher leider nicht bekannten Musikers lebte auch von seinen sympathischen Erläuterungen zwischen den Stücken, den vielen kleinen persönlichen Anekdoten.

Jherek Bischoff arbeitet gerne mit anderen Künstlern zusammen und komponiert so z.B. für das Kronos Quartet oder David Byrne (Gründungsmitglied der Talking Heads), hier der Titel Eyes, zusammen mit dem Wordless Music Orchestra

Sehr hörenswert sind auch seine neu arrangierte Coverversionen, wie z.B. anlässlich des Todes von Prince dessen Purple Rain, gesungen von Amanda Palmer, begleitet von einem Streichquartett.

… oder auch Blackstar von David Bowie, genial arrangiert für das BBC Proms-Orchester, gesungen von Anna Calvi und Amanda Palmer.

Oder auch mal alleine auf der Bühne mit einem 4-minütigen Bass-Solo 😉

Der Besuch in Köln wurde möglich durch eine Reise nach Europa, die er im Zusammenhang mit einer neuen Produktion des Theaters Basel unternimmt. Dort wird  vom 1. Dezember 2016 bis 15. Januar 2017 eine Adaption des „Fliegenden Klassenzimmers“ von Erich Kästner aufgeführt, zu der Jherek Bischoff die Musik komponiert hat.

Jherek Bischoffs Website: www.jherekbischoff.com/blog/

Kommentar verfassen